Otitis externa - Entzündung des äußeren Gehörganges

Ohrentzündungen gelten bei Hund und Katze zu den häufigsten Erkrankungen!

Katzen:

Bei Katzenwelpen stehen  Erkrankungen durch Ohrmilben im Vordergrund. Die Milben werden durch Ansteckung von Katze zu Katze übertragen. Meist findet man sie zusammen mit  Flöhen und Würmern  bei den sogenannten „Bauernhofkatzen“.

Ohrmilben werden mit Ohrpräparaten, die einen milbenabtötenden Wirkstoff enthalten behandelt. Es gibt auch milbenwirksame Spot-On Präparate für den Nacken wie Advocate  oder  Stronghold Plus mit einer ausgezeichneten Wirkung auch gegen Flöhe, Zecken und Milben.

Es müssen jedoch immer die ohren gereinigt und die schwarzen Krusten entfernt werden, was für die Katzen sehr unangenehm sein kann. Deshalb wird dies häufig in mehrerern Behandlungen mit speziellen Ohrreinigern durch geführt. Am Ende kann manchmal ein Pfropf vor dem Trommelfell Ärger machen, den man dannl sogar unter Narkose mit einer Fremdkörperzange oder -schlinge entfernen muss. Unbehandelt führen diese Milben allerdings zu weitreichenden Entzündungen.

Blick auf das Trommelfell mit zentralem Polypen

Bei chronischen, eitrigen Formen der Ohrenentzündung sind es bei der Katze meist Polypen (Wucherung der Schleimhaut + lymphat. Gewebe), die aus dem Mittelohr oder aus der Eustachischen Röhre entspringen. Diese entstehen meist im Zusammenhang mit dem Katzenschnupfenkomplex oder chron. Entzündungen  und führen dann im Ohr dann zu einer schwer behandelbaren eitrigen, und  stinkenden! Entzündung. Sie kommen meist einseitig vor. Eine Behandlung dieser Form der eitrigen Ohrenentzündung mit Medikamenten bringt keine Heilung, wenn man nicht chirurgisch die Polypen entfernt.


Hunde

Ursachen:

  • Infektion mit Hefen
  • Infektion mit Bakterien
  • Parasiten (Ohrmilben Otodectes cynotis, Demodex)
  • Fremdkörper (insbesondere Grasspelzen und Grannen)
  • Neoplasien
  • Allergien/ Futtermittelunverträglichkeiten
  • endokrine Erkrankungen (Hypothyreose, M. Cushing)



Die "einfache" Otitis externa wird durch Hefepilze (v.a. Malassezia pachydermatis) und oder auch Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken) verursacht. Diese gehören zur physiologischen Hautflora. Diese können sich aber unter gegebenen Umständen in feuchter und warmer Umgebung explosionsartig vermehren und zur Erkrankung führen. Prädisponierend ist häufiges Schwimmen, exzessives Ohren reinigen, falsche reizende Ohrreiniger, starke Behaarung, enge Gehörgänge (Kurznasen) oder Faltohren.

Es gibt zur Behandlung eine Vielzahl von Ohrentropfen, die allesamt recht gut sind, aber nur dann, wenn sie tief genug und in ausreichender Menge ins Ohr verbracht werden. Dieses muß vorher gründlich von Cerumen und Sekreten/ Biofilm gereinigt und getrocknet werden, um effektiv wirken zu können.

Vor jeder Medikation muß eine gründliche Untersuchung des Gehörganges erfolgen. Alle aktuell zugelassenen Ohrmedikamente sind nur bei intakten Trommelfell anzuwenden! Um das Trommelfell zu beurteilen muß der Gehörgang offen und gereinigt sein. Da der Hund einen fast 90 ° abgewinkelten und sehr langen Gehörgang besitzt, muß dieser durch vorsichtiges Ziehen am äußeren Ohr gestreckt werden um das Trommelfell sehen zu können. Dieses Prozedere ist auch für das Verbringen von Medikamenten in den Gehörgang essentiell.


Wenn diese Ohrenentzündungen sehr häufig  immer wieder. also rezidivierend bei einem Hund  vorkommen, handelt es sich meist um sekundär auftretende Otitiden. Wenn man das nicht beachtet und eine zugrunde liegende Allergie, Futterunvertäglichkeit oder Schilddrüsenunterfunktion nicht erkennt, erleidet man unwillkürlich Schiffbruch.

Die Entzündung wird chronisch. In diesen Fällen verändert sich zunehmend  die Schleimhautauskleidung des Innenteils der Ohrmuschel. Das Epithel bekommt immer mehr Drüsen, verdickt, es kommt zu Verknöcherungen des Gehörganges und die Entzündung, ob eitrig oder pilzbedingt ist nicht mehr zu kontrollieren.

Meist werden die Hunde völlig panisch, wenn man nur in die Nähe der Ohren kommt. Eine Behandlung ist nur noch unter größten Schwierigkeiten möglich. Im Endstadium entstehen blumenkohlartige Wucherungen (O.ext.verrucosa) die das ganze Ohr verlegen.

Aufarbeitung der chron. Otitis externa:

In den letzten Jahren haben wir eine Systematik entwickelt, mit der wir an die Fälle herangehen. Wir haben zu oft erleben müssen, welche Frustrationen und Schmerzen durch Ohrenentzündungen entstehen können. Leider summieren sich natürlich die Kosten, wenn man umgreifend untersucht, aber man kommt doch den Ursachen häufig näher. Im Idealfall geschieht dies bevor multiressistente Keime vorliegen.

Natürlich beginnen wir mit einem Anamnesegespräch (Auslandsaufenthalte, Juckreiz, Verdauungsstörungen, ist der Hund ehr müde oder kälteempfindlich, ...). Dies kann dann schon einmal auf eine systemische Erkrankung wie Leishmaniose oder Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. Man sollte auch immer an eine mögliche Infektion mit Räude(Sarkoptes)milben in Erwägung ziehen. Eine Untersuchung des Gehörganges mit einer Optik gibt dann erste Hinweise. Man kann Fremdkörper sehen oder ausschliessen und natürlich den Zustand des Trommelfells bewerten.

Eine ganz wichtige Untersuchung ist die Zytologie. Man rollt einen Wattetupfer auf einem Objektträger aus und färbt ihn an. Nun kann man erkennen, ob im Ohr ein Pilzproblem oder ein Befall mit Stäbchenbakterien oder Kokken vorliegt. Hat man den Überblick nimmt man einen zweiten Tupfer für die bakterilogische Untersuchung. Antibitioka wie Gyrasehemmer und auch die Cephalosporine der 4. Generation dürfen nur noch in Begleitung einer bakteriologischen Untersuchung mit  Antibiogramm angewendet werden. Und das ist auch gut so und trägt zum verantwortlichen Umgang mit Antibiotika bei.  Da diese Untersuchung ein paar Tage dauert kann man sich nun einer ausgiebigen Reinigung des Gehörganges widmen.

Häufig werden kurzzeitig Steroide (Cortison, Prednisolon) eingesetzt. Die antipruretische (Juckreiz lindernd) und entzündungshemmende Wirkung der Steroide erleichtert die Medikation von anderen Wirkstoffen und reduziert zudem die Größe und Aktivität der Cerumen (Ohrenschmalz) produzierenden Drüsen.

Aktuell nimmt der Begriff „Biofilm“ gerade in der Kombination Ohrentzündung und Pseudomonas eine zunehmende Bedeutung ein. Nimmt man diesem Biofilm im Ohr seine Grundlage, kann man auch Erfolg trotz Multiresistenz haben. Mit dem neu zugelassenem Produkt Tris-Nac erhoffen wir uns auch "therapieressistente" Otitiden in den Griff zu bekommen. Tris-NAC ist eine synergistische Kombination aus NAC und Tris-EDTA, die als wirksame Unterstützung zur Verhinderung bakterieller Biofilmbildung eingesetzt wird. Wo bereits ein
Biofilm vorhanden ist, hilft Tris-NAC® diesen zu zerstören und abzubauen. N-Acetylcystein zerstört durch seine mukolytischen Eigenschaften die extrazelluläre Polysaccharid Matrix des Biofilms. Tris-EDTA destabilisiert die Bakterienzellwände und wirkt synergistisch mit einigen Antibiotika und Antiparasitika.